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Parkplatz No. 1

2017-39- Der Parkplatz No. 1

An vielen Orten gibt es sowas wie den besten Parkplatz. Oft ist es der erste oder der nächste zum Eingang. Warum ist der vielen Menschen so wichtig?

Sie kennen es vielleicht aus dem Flugzeug: Die Sitze 1A oder wegen mir auch 1C gelten als besonders prestigereich. Wer dort sitzt, schaut das Fussvolk auf dem Weg in die Economy Class zwar selten an, ist sich jedoch mancher Blicke sicher. Schliesslich sieht jeder: Nicht nur Business, sondern auch noch ganz vorne – Uiuiuiuiuih.

Ein ähnliches Verhalten gibt es auch rund um spezielle Parkplätze. Sie fahren beispielsweise zu einem Arzttermin. Dort gehört der erste Parkplatz nicht den Patienten, sondern dem Arzt selber. Gut, das hat praktische Gründe und ist verständlich.

Der beste Parkplatz ist auch oft für die Geschäftsleitung reserviert, damit die sich auch wirklich jeden Tag wichtig vorkommen. In einem meiner Lieblings-Ferienorte (St. Peter-Ording) sehe ich dies immer wieder, wenn ich mit dem Velo an der dortigen Dünentherme vorbeifahre. Der Parkplatz gleich beim Eingang gehört dem Tourismusdirektor. Komisch, der geht doch gar nicht schwimmen. Wie gesagt, in vielen Firmen ist es genau so.

Mir fallen einige Alternativen ein. Der beste Parkplatz könnte für Kunden oder abwechselnd für Mitarbeiter oder Besucher reserviert werden.

Heute bin ich auf ein paar böse Antworten eingerichtet, weil ich bestimmt wieder was nicht richtig verstehe. Helfen Sie, liebe Leser und Leserinnen, mir beim Argumentieren – hier im empowerment blog. Ich würde mich freuen, wenn Sie klar Stellung beziehen, ob ich mit meinen Gedanken zum Parkplatz No. 1 übertreibe und wie Sie es sehen.

Schon jetzt herzlichen Dank und ein ganz schönes Herbstwochenende!

Jörg Neumann

22 Responses to “Parkplatz No. 1”

  1. Gaby Heeb sagt:

    Ich habe einige Jahre ein Altstadthotel in der Stadt St. Gallen geleitet. Ich bin täglich mit dem Auto zur Arbeit gekommen, da ich ausserhalb wohnte. Das Hotel verfügt über ca. 10 Parkplätze. Diese Plätze waren nur den Kunden vorbehalten. Ich selber habe mir einen Platz in Gehdistanz zum Betrieb gemietet. Es wäre mir nie in den Sinn gekommen, die Plätze, die zum Hotel gehören, für mich zu benutzen – und schon gar nicht den „besten“.

  2. Ich bin viel bei Kunden und kann dabei oft einen direkten Zusammenhang zwischen Parkplatz- und Firmenkultur erkennen. Deshalb gibt es bei uns, außer den Kunden- und Behindertenparkplätzen, keine reservierten Parkplätze. Und das sind natürlich die Parkplätze mit den kürzesten Wegen. Offensichtlich ist das aber so ungewöhnlich, dass Kunden oft (trotz Kennzeichnung) die am weitesten entfernten (Mitarbeiter)parkplätze benutzen. Die Ironie dabei ist, dass uns dann die Teamparkplätze ausgehen, während Kundenparkplätze leer sind. Allerdings können wir gut damit leben, denn das heißt ja auch, dass viele Kunden im Haus sind.

  3. Müller Rita sagt:

    Wir reden von Kunden und Chefs und Mitarbeitern. Für uns stehen Mitarbeiterparkplätze hinter dem Haus zur Verfügung. Der Chef kommt mit dem Fahrrad.
    2 unserer Geschäftsfahrzeuge sind, da wir ein Handwerksbetrieb sind und viel Umschlag haben auf unserem Hausplatz parkiert (übrigens mit einem X versehen für Umschlag). Sollte also keiner darauf parkieren.
    Für unsere Kunden sind am Rande des Hausplatzes Parkplätze eingezeichnet.
    Trotzdem parkieren unsere Kunden meistens auf dem Hausplatz, am liebsten quer. So dass dann keiner mehr ein- oder ausladen kann.
    Was ich aber meistens vermisse, egal bei Geschäftern oder bei Hotels oder…. Keiner spricht über Behindertenparkplätze. Gibt es nicht, braucht es nicht?

  4. Corinne Schwarzwald sagt:

    Mit der alten Geschäftsleitung war das Parkplatzthema nie ein Problem. Mangels Geschäftsparkplätzen war es da Usus, dass wir einander zuparkierten. So standen also 4 Autos (Mitarbeiter oder GL war egal) auf zwei Stellplätzen. Dann, nach dem Wechsel, wurden die zwei Stellpätze an die GL vergeben. Nur ein GL-Mitglied lässt sich weiterhin zuparken. Wo Kunden resp. Mitarbeiter nun parkieren, ist jetzt egal. Schade…. denn mit all den Wagen der Mitarbeiter nehmen wir auch den Anwohnern in der Überbauung Parkpätze weg.

  5. Anonymous sagt:

    Es geht auch noch besser: Ein Golfplatz in der Rheinschlucht hat die besten Parkplätze an die Meistzahlenden versteigert… inkl. Namensschild…so sieht man bei (überwiegender) Abwesenheit sogar noch besser, wer wirklich wichtig ist…

  6. Lieber Jörg, schön, dass man einmal etwas öffentlich kommentieren darf. Ich habe schon länger eine Art Beach Cruiser als Fahrrad und Blickfang mit Werbeslogan. Interessanterweise bin ich noch nie kopiert worden, aber jeder im Dorf weiss, wohin das Rad gehört. Vielleicht ist es darum auch schon gestohlen worden.
    Fazit: Parkplätze sind oft „sowas von gestern“, ausser natürlich für Kunden oder Leute, die nicht mehr so fit wie ein Turnschuh sind:-)

  7. Marcel Cattin sagt:

    Es ist ähnlich wie mit der tiefen Autonummer (in der CH). Oftmals einfach ein Statussymbol.

  8. Danke für diesen Beitrag – aus dieser Perspektive habe ich die Angelegenheit bis jetzt nicht gesehen.

  9. Bei uns am Standort Wolhusen des Luzerner Kantonsspitals (LUKS) sind die „ersten“ Parkplätze nicht für den Chef, sondern für unsere Patienten/innen und Besucher/innen, also für unsere Kunden/innen. Dies teilen wir jeweils unseren neu eintretenden Mitarbeiter/innen auch bei der Einführungsveranstaltung mit.

  10. Bei uns haben die Besucher, Kunden die besten Partkplatze direkt vor dem Eingang. Die GL benutzt die gleichen Parkplätze wie alle Mitarbeiter. Da merkt man wer wichtig ist und wer nicht :-)

  11. Florian Kern sagt:

    Parkplatz Nr 1 gehört den Kunden und Lieferanten – Also den Gästen des Hauses.

    Und Orientierung in der nächsten Rangfolge gibt vielleicht die ungeschriebene Regel für Mannschaftsverpflegung die ich in der Armee und im Hochsee-Skipperkurs gelernt habe ein Orientierung. Es heisst dort: Die Mannschaft zuerst. Und unter der Mannschaft geniessen jene Priorität, die gerade aus dem Dienst in der Kälte zurückkehren.

    Der Kapitän steht dabei an der Fassstrasse, schaut zu, verteilt Schulterklopfen und fragt nach dem Zustand von Mensch und Material.

    Er isst später und darf sich dafür in die Offizierskantine zurückziehen.

    • Thomas Spörri sagt:

      Das kann ich bestätigen: war im Militärdienst immer so: zuerst die Mannschaft, dann die Unteroffiziere, dann die Offiziere. Solche kleinen Gesten zeigen Respekt von ‚oben nach unten‘ – Führung vs. Verwalten. Komischerweise habe ich in der Privatwirtschaft mehr ‚Militärköpfe‘ erfahren, die nie im Militär waren, als während meiner vielen Diensttage.
      Das (oft MBA-geprägte) Management schreibt zwar viel über ‚der Kunde ist König‘, Customer Focus, Voice of the Custumer, kundenzentriert, … meint aber ICH, mein EGO und MEIN Bonus.

  12. Axel Haitzer sagt:

    Lieber Jörg Neumann, mein Feedback fällt gar nicht so böse aus, wie Sie es befürchet haben, denn Sie haben den Nagel mal wieder auf den Kopf getroffen.

    Habe gerade die Phrase „unsere Kunden stehen im Mittelpunkt“ gegoogelt. Es gibt über 22.000 Ergebnisse. Überwiegend tauchen Unternehmensleidbilder in der Trefferliste auf. Da die meisten Unternehmensleitbilder nicht leiten, sondern Leid versursachen, schreibe ich diese vollmundigen (falschen) Versprechungen besser mit „d“ statt mit „t“. Und schon bin ich mitten im Thema dieses Newsletters. Diese Leidbilder muss man nur richtig lesen, damit sie irgendwann mal zu Leitbildern werden. In Wahrheit sind Leidbilder To-Do-Listen. Alles, was in diesen Leidbilder steht, gibt es nämlich in den Unternehmen nicht. In diesem konkreten Fall sollten wir uns überlegen, was denn getan werden müsste, damit die Kunden (oder Mitarbeiter, Kooperationspartner, etc.) tatsächlich im Mittelpunkt stehen, oder? Eine kleine, aber beeindruckende und sehr wertschätzende, Geste wäre es in der Tat, einen Parkplatz in der ersten Reihe zu reservieren. Das Tolle daran: Diese Maßnahme kostet kein Geld, sondern nur etwas Überwindung.

  13. René Weibel sagt:

    Wenn die Zuteilung der Parkplätze die grössten Herausforderungen einer Unternehmung sind – so lange geht es uns trotz Eurokurs usw. usw. doch wirklich sehr gut. Für alle, die nicht den 1. Parkplatz kriegen; wir alle sollten 10000 Schritte pro Tag gehen – gehen wir etwas länger, kommen wir dem Tagesziel schon etwas näher – doch ein gewichtiger Vorteil – nicht den 1. Parkplatz zu belegen – oder nicht!

  14. Mit einer kleinen Geste wie einen Parkplatz vor der Haustüre kann man einfach und gut Wertschätzung zeigen: ich habe mal von einer Firma gelesen, die den besten Parkplatz für den Mitarbeiter/in des Monats blockiert und gekennzeichnet hat.

    Und habe auch erfahren, dass anlässlich eines Besuches in der Ausstellung, ein Kunde vom Geschäftsführer der Ausstellung gebeten wurde, das Auto um zu parkieren – es sei schlussendlich „sein“ Parkplatz.

    So oder so, auch ein Parkplatz kann ein interessantes Thema sein. Gut geschrieben und auf den Punkt gebracht, Herr Neumann!

  15. Ein Gedanke, den ich schon vor mehr als 20 Jahren hatte, als ich noch in sehr grossen Firmen arbeitete. Zu dem Thema gehört auch die Überlegung, die reservierten Parkplätze vor der Firma an den Nicht-Geschäftszeiten öffentlich zur Verfügung zu stellen (was bei uns seit langer Zeit praktiziert wird). Einen weiterhin sonnigen Freitagnachmittag allen Lesern!

  16. Wenn nicht die Kundenbeziehung, sonder der Status das Wichtigste ist, dann gibt es solche Parkplatzthemen.
    Und dass ich dann dem Slogan eine Firma „unsere Kunden sind uns wichtig“ keinen Glauben schenke, ist logisch.

  17. Ruedi Jaisli sagt:

    Was? – Parkplatz als Prestigobjekt? Sowas von gestern – der „vornehme“ Mensch (egal ob CEO oder Lehrling) fährt doch längst mit Bahn und Bus oder allenfalls (Elektro-)Velo zur Arbeit. Parkplätze kann man also in Zukunft getrost mit Bäumen und Blumen bepflanzen…

  18. Werter Herr Neumann
    Eines vorweg – ich lese Ihre Newsletter sehr gerne – regen sie doch vielfach an die Dinge von einer anderen Sichtweise zu betrachten und vieles zu Hinterfragen – super!
    In Sachen PP – in der Tat haben Sie vollkommen Recht – oder sagen wir mal so – ich pflichte Ihnen absolut bei. Es im wahrsten Sinne des Wortes die falsche „Markierung – Parkplatzmarkierung“ für einen Chef. Warum um Himmels willen soll ich als Geschäftsführer den ersten Platz neben dem Eingang haben? Bin ich den etwas besseres als meine Mitarbeiter? – ganz sicher nicht.
    Und auch richtig – diese Parkplätze gehören unseren werten Kunden oder Besuchern — so wird es auch bei uns handgehabt – und was einfach prima ist.
    (kleiner Zusatz – unser Headquarter Europa befindet sich auch in unserem Gebäude in Witterswil – und – selbst unser Europachef und das ganze Europakader parkiert schlicht dort wo es halt eine freie Lücke hat. Ist doch einfach menschlich und sympathisch!

    Ich freue mich auf weitere tolle Newsletter von Ihnen.
    Sonnige Grüsse
    aus Witterswil

  19. Désirée bazzocco sagt:

    Genau so erstaunlich: Oftmals sind die besten Parkplätze bei den Bergbahnen für die Mitarbeitenden reserviert. Ein Phänomen. Sollen doch die Touristen mit den Skiern oder Rucksäcken etwas weiter laufen zur Kasse 🤔

  20. Mit offenen kritischen Augen durch die Welt – das finde ich gut. Habe mich das auch schon gefragt und als Buchhalter in etlichen Firmen bezüglich Fahrzeugflotte auch den Kopf geschüttelt.
    Ich würde sogar den Parkplatz für Kunden mit Anschluss für elektrische Fahrzeuge aufrüsten, wenn es nach mir ginge – ebenso würde ich für Firmen eine Fahrzeugflotte mit einheitlichen Fahrzeugen für alle Stufen einführen (allenfalls Tesla oder eben ein Kleinwagen je nach Ergebnis der Firma).
    Mein Onkel selig als Bankdirektor hatte sogar einen Parkplatz im Hotel Dolder und monatlich soviel dafür bezahlt wie andere für eine Wohnung aber eben als Bankdirektor ist man seinem Prestige und Ruf verpflichtet.

  21. Wir sind da ganz Ihrer Meinung! Als Hotel halten wir die besten Parkplätze für unsere Gäste frei. Mitarbeitende inkl. Direktion parken ihr Auto natürlich auf den vom Eingang entferntesten Parkplätzen.
    Herzliche Grüsse
    Nina Brendolise

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